Kafka Kaikoku

Yoko Tawada sagt über ihr Theaterstück anläßlich des 150. Jubiläums der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Japan:

Es geht um das deutsche Wort „Ungeziefer“. In Kafkas „Verwandlung“ verwandelte sich Gregor Samsa in ein Ungeziefer.

In Kluges etymologischem Wörterbuch bedeutete das Wort ursprünglich „ein unreines Tier“, wahrscheinlich „ein nicht zum Opfer geeignetes Tier“.

Als Ungeziefer konnte Samsa nicht mehr als Kaufmann arbeiten. Oder: er müsste nicht mehr arbeiten. Es hieß, dass er die Schulden seiner Eltern abzahlen müsse, aber später, als er nicht mehr arbeitete, ist das anscheinend kein Problem mehr für die Eltern. Wie können wir das verstehen?

Die Geschichte endet mit der Hoffnung auf die Hochzeit seiner Schwester. Wie ist dieses Bild der Zukunft zu verstehen? Es geht um diese Fragen in meinem Theaterstück, das eine Adaption von Kafkas „Verwandlung“ ist. Es geht aber gleichzeitig um die Öffnung des Landes (Kaikoku) Japan. 

Der japanische Autor IZUMI Kyoka spielt auch eine wichtige Rolle. Meiner Meinung nach war er der Autor, der nach der Modernisierung Japans nicht einfach die Geister aus der Edo-Zeit vergessen hat, sondern sie in die moderne Sprache gerettet hat. "Kafka Kaikoku" bezieht sich auf sein Theaterstück "Yashagaike". 

Ich habe „Kafka Kaikoku“ auf Deutsch geschrieben, denn es geht in diesem Projekt um einen kulturellen Austausch, in dem wir nicht etwa ein fertiges Produkt exportieren, sondern im Prozess des Schaffens vom Ort lernen, an dem wir leben, proben und spielen (das Lasenkan Theater spielt Theater und ich spiele mit den Wörtern).

Der „Ort“ ist in diesem Fall „die deutsche Sprache“. Es gibt aber auch einige japanische Stellen im Stück, die man onomatopoetisch verstehen kann.

(Zitat aus Interview mit der Autorin in jdzb echo Nr. 93, Dezember 2010)

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